Riboflavin
Versorgung
Der Riboflavinbedarf ist abhängig vom Energieumsatz. Bei körperlicher
Aktivität, schweren Krankheiten, nach Operationen und Traumen,
bei Absorptionsstörungen, bei chronischem Alkoholmißbrauch
und durch Wechselwirkungen mit verschiedenen Arzneimitteln (z.B.
Antidepressiva) steigt der Riboflavinbedarf an.
Hypovitaminose
Schwere Mangelerscheinungen sind in den Industrieländern
selten und auch in den Entwicklungsländern werden offenkundige
klinische Symptome eines Riboflavinmangels selten gesehen. Ein
Riboflavinmangel kommt selten isoliert vor, im allgemeinen tritt
er in Kombination mit einem allgemeinen Mangel an wasserlöslichen
Vitaminen (dazu zählen: Vitamine der B-Gruppe und Vit.C) auf.
Ein leichter Riboflavinmangel ist durch entzündliche Hautveränderungen
gekennzeichnet. Es können Glossitis (=Zungenentzündungen),
Entzündungen der Mundschleimhaut, Mundwinkelentzündungen,
Pruritus (=Juckreiz), Hautschuppen und seborrhoische Dermatitis
(=Hautekzemen) v.a. des Hodensacks, auftreten. Riboflavinmangel
kann auch zu einer Gefäßbildung in der Hornhaut führen,
welche dann mit Lichtempfindlichkeit, Sehverschlechterung, Juckreiz
und Sandkorngefühl im Auge
einhergeht. Schwerer Riboflavinmangel hat Wachstumsstörungen und Gewichtsabnahme
zur Folge und kann auch zu einer normozytären Anämie und zur Beeinträchtigung
des Pyridoxin- und des Niacinstoffwechsels führen.
Risikogruppen
Ein Riboflavinmangel kann in der Folge eines Traumas, Verbrennungen
oder Operationen auftreten. Auch findet man ihn häufiger bei
Patienten mit chronisch kräftezehrenden Erkrankungen (z.B.
rheumatischem Fieber, Tuberkulose...), bei Diabetes, Leberzirrhose
oder Schildrüsenüberfunktionen. Weitere Risikogruppen
sind ältere Menschen, Frauen unter Einahme oraler Kontrazeptiva
("Pille"), Menschen, die keine Milch- und Milchprodukte
zu sich nehmen, Kinder und Erwachsene aus niedrigen Einkommensschichten,
Kinder mit chronischen Herzerkrankungen sowie Kinder, die sich
längeren Lichttherapien unterziehen müssen.
Die Auswirkungen einer niedrigen Riboflavinaufnahme können durch chronischen
Alkoholkonsum oder chronischen Streß verschlimmert werden.
Therapeutische Anwendung
In den meisten Fällen kann ein Riboflavinmangel mit einer
täglichen oralen Dosis von 5 bis 20mg (maximal 25mg) erfolgreich
behandelt werden. Patienten mit häufigem Erbrechen, Magensalzsäuremangel,
Durchfällen, Leberkrankheiten oder anderen Erkrankungen, welche
Resorption und Verwertung be- oder verhindern, sollten parenteral
(=unter Umgehung des Verdauungsapparates) behandelt werden.
Bereits nach ein bis drei Tagen beginnt eine Besserung der Mangelerscheinungen,
eine vollständige Wiederherstellung kann jedoch Wochen dauern.
Positive Erfahrungen mit Riboflavin wurden auch bei der Behandlung von z.B.
Hornhautgeschwüren oder Photophobien gemacht.
Hypervitaminose
Nachteilige Wirkungen hoher Dosen von Riboflavin aus der Nahrung
oder aus Supplementen (=Ergänzungen/Zusätzen) sind nicht
bekannt.
Im allgemeinen ist der Riboflavinbedarf durch eine normale gemischte Kost gedeckt, übermäßig
aufgenommenes Riboflavin wird mit dem Harn ausgeschieden, eine Hypervitaminose
kann also nicht auftreten.
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