Coffein
Die Physiologische Wirkung von Coffein
Lange Zeit sah man in der Hemmung der Phosphodiesterase den entscheidenden
Wirkungsmechanismus der Methylxanthine. Dieses Enzym ist für den
Abbau kleiner Signalmoleküle zuständig, die innerhalb der
Zelle bei vielen Aktivierungsprozessen eine wichtige Rolle spielen.
Wenn Coffein
den Abbau dieser Signalmoleküle einschränkt, hält die
Aktivierung länger an. Heute geht man jedoch davon aus, dass die üblicherweise
erreichbaren Coffeinkonzentrationen wahrscheinlich weit unter der für
diese Enzymhemmung nötigen Konzentration liegen. Mittlerweile
haben Wissenschaftler jedoch eine sehr viel wahrscheinlichere Theorie
zur Wirkung
von Coffein entwickelt:
Das Coffein kann die Bluthirnschranke ungehindert passieren und entfaltet
seine anregende Wirkung hauptsächlich im Zentralen Nervensystem.
Im Wachzustand tauschen Nervenzellen Botenstoffe aus und verbrauche
Energie. Dabei entsteht
Adenosin als Nebenprodukt.

Eine der Aufgaben des Adenosins besteht darin, das Gehirn vor „Überanstrengung“ zu
schützen. Es setzt sich an bestimmte Rezeptoren auf den Nervenbahnen.
Ist Adenosin angedockt, ist das ein Signal für die Zelle, etwas
weniger zu arbeiten. Das ist ein Rückkopplungseffekt: Je aktiver
die Nerven, desto mehr Adenosin wird gebildet und desto mehr Rezeptoren
werden besetzt. Die Nervenzellen arbeiten langsamer und das Gehirn
ist vor „Überanstrengung“ geschützt. Jetzt kommt
das Coffein zum Zug. Es ist dem Adenosin in seiner chemischen Struktur ähnlich
und besetzt dieselben Rezeptoren. Adenosin kann nicht mehr andocken,
und die Nervenbahnen bekommen kein Signal – deshalb arbeiten
sie einfach weiter. Darin liegt das Geheimnis der Coffeinwirkung: Es
verhindert
die beruhigende Wirkung des Adenosin und so bleibt der Mensch länger
wach, aufmerksam und konzentriert.
|